Twitter
Google+
patentanwalt cc on Facebook
Follow

Erfolgsfaktoren für Venture Capital Investitionen - Stefan Kalteis im Interview

Venture Capital - private equity Finanzierungen für Firmen mit hohem Potenzial und hohem Risiko sind ein rasant wachsender Wirtschaftszweig.
Aber was genau bedeutet VC?
Welche Faktoren haben Einfluss auf den Erfolg von VC Investitionen?
Welche Rolle spielen Schutzrechte wie Patente und Marken in diesem Zusammenhang? Welche Zukunftstrends gibt es?

Stefan Kalteis, Partner bei i5invest; Gründer, Investor und Berater einer Reihe von Online- und Mobile-Unternehmen im Interview mit patentanwalt .cc - intellectual property expertise:

Herr Kalteis, "Venture Capital" ist ein Begriff der sich mit einiger Verzögerung auch im deutschsprachigen Raum etabliert. Können Sie kurz erklären was Venture Capital bedeutet bzw. was man unter Venture Capital Investitionen versteht?

SK: Venture Capital wird oft mit "Risikokapital" ins Deutsche übersetzt, wobei Venture im Kern "Unternehmung" bedeutet. D.h. Venture Capital (VC) ist Investitionskapital für Unternehmungen, typischerweise für sehr junge Unternehmen mit hohem Potential. Jung, mit Risiko behaftet aber mit hohem Potenzial!
VC-Gesellschaften verleihen im Gegensatz zu klassischen Finanzierungsinstrumenten wie Kredite von Banken allerdings kein Geld sondern beteiligen sich an dem jeweiligen Unternehmen und werden somit Miteigentümer.  

Ziel ist dabei, am Erfolg und Wachstum des Unternehmens teilzuhaben und vom Unternehmenserfolg dadurch zu profitieren, dass die Anteile am Unternehmen (bzw. das gesamte Unternehmen) später gewinnbringend verkauft wird. Das wohl bekannteste Beispiel eines von VC-Gesellschaften unterstützen Unternehmens ist Google. Kleiner Perkins und Sequoia Capital standen als VC-Investoren hinter Google. Es gibt aber viele weitere spannende Beispiele in dieser Industrie, die in den USA einen wesentliche höheren Stellenwert als in Europa besitzen, z.B. Genentech, Intel und Cisco Systems.
VC ist also im Kern ein sehr spannendes und positives Instrument für junge Unternehmen um die schwierigen ersten Jahre zu finanzieren.


Sie sprechen interessanter Weise nicht von "Kosten / Nutzen" sondern von "Risiko" und "Potenzial". Nach welchen  Kriterien können das Risiko und das Potenzial eines Startups bewertet werden? Ist es überhaupt möglich das Potenzial von Ideen wie Youtube oder Twitter im Voraus objektiv abzuschätzen?

SK: Leider ist es nicht möglich das Potenzial objektiv abzuschätzen, wobei dies auch nicht erwartet wird: Trotzdem ist klar, dass der weltweite Markt für Laptops grösser ist als der Markt für Kokosnussöl.
Allen erfolgreichen Startups ist gemein, dass das Team und die Gründer herausragend sind. VCs erklären - in Anlehnung an die drei wichtigsten Themen für Wohnungspreise (Location, Location, Location) - oft, dass die drei wichtigsten Kriterien für erfolgreiche Startups seien: Team, Team, Team.
Der ursprüngliche Plan geht nur in den seltensten Fällen auf, d.h. das Management muss in der Lage sein darauf zu reagieren und neue Potenziale zu erkennen.
Zu Youtube und Twitter: Relevante Investoren haben hier erst investiert, als Sie sahen, dass das Produkt von den Nutzern angenommen wurde, d.h. solche Phänomene (davon abgesehen ob sie finanziell erfolgreich sein werden) sind nicht planbar.

Eine Idee mit einem großen Markt, ein herausragendes Team und das nötige Quäntchen Glück sind demnach die Basis für erfolgreiche VC Investitionen. Gibt es noch weitere Faktoren? Welche Rolle spielen beispielsweise Patente und Marken in diesem Zusammenhang?

SK: Weitere Faktoren zu verallgemeinern ist schwierig, offensichtlich spielt z.B. der Wettbewerb und das Timing ein Rolle. Brennstoffzellen sind seit Jahrzehnten ein Riesenthema; immer wieder wurde und wird viel Geld investiert - der große Durchbruch wird aber wohl erst kommen. Die Bedeutung von Patenten und Marken hängt stark von der jeweiligen Branche ab, wobei Marken in fast allen Bereichen relevant sind - stärker im Endkundengeschäft als im B2B.
Patente sind besonders in hochtechnologischen Themen von großer Bedeutung: Beispiele sind im Medizin und Biotechnologie-Bereich aber auch im Elektronik und Chip-Bereich zu finden. Hier rechtfertig auch schon mal nur ein Patent eine Investition: Die größte Herausforderung für Investoren ist dann, den Wert der Patente abzuschätzen - da ist oft Expertenwissen gefragt, weshalb Investoren dann auch oft selbst aus diesem Bereich kommen.

Der Verkauf von 123people, bei dessen Aufbau i5invest ja maßgeblich beteiligt war, sorgt aktuell für Schlagzeilen. Wenn Sie auf die gesamte Entwicklungsphase dieses Vorzeigefalls zurückblicken:
- Was waren die Hauptfaktoren für den erfolgreichen Verlauf
und
- Was würden Sie mit Ihrem heutigen Wissen anders machen?


SK: Neben dem guten Timing ist tatsächlich der Hauptfaktor ein herausragendes Team. Überdies hatten wir mit allen Partner, Fördergebern (AWS hat uns sehr früh unterstützt und das Potenzial erkannt, FFG hat uns die Entwicklung grundlegender Technologien ermöglicht) und Investoren (Gamma Capital Partners) die richtigen dabei.
Die falschen Partner können ein Unternehmen über Gebühr belasten, die richtigen in vielen Bereichen unterstützen und die „richtigen Rutschen legen“. Wir haben natürlich auch viele Fehler gemacht bzw. sind in die falsche Richtung gerannt: Beispielsweise wurde einige Entwicklungszeit in Profilseiten mit Bewertungen investiert, die nur zum Launch nur wenige Wochen live waren und kaum angenommen wurden. Aber ohne diese Fehler hätten wir wohl auch den richtigen Weg nicht gefunden.
So gesehen würde ich versuchen einige Abkürzungen zu nehmen, aber nichts wesentliches verändern.


Als abschließende Frage:
In welchen Bereichen sehen Sie in der näheren Zukunft die Hot-Spots für erfolgreiche VC-Investitionen?


SK: Online und Mobil ist immer noch sehr viel im Umbruch, die ganze klassische Medienindustrie versucht neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und muss dafür auch in Startups investieren bzw. zukaufen. Ein Beispiel ist lokale Werbung im Internet – was wird das lokale Anzeigenblatt für den Reifenhändler ersetzen? Hier wird noch viel passieren! Megatrends im Bereich Energie (Energieeffizienz, regenerative Energien, Kernfusion, etc) find ich persönlich auch sehr spannend, wobei diese Themen bereits seit Jahren gehyped werden, viel Geld verbrannt wurde und aus Investorensicht das richtige Timing sehr, sehr schwierig zu finden ist.

Ist man als innovatives Startup nicht eigentlich dazu gezwungen dem Markt mindesten ZWEI Schritte voraus zu sein, um nicht innerhalb kurzer Zeit von etablierten Firmen eingeholt zu werden?

SK: Gute Frage - etablierte Firmen haben riesigen Vorteil mit Ihrer Marke punkten zu können; wobei dieser Unterschied bei uns in Europa besonders eklatant ist, weil die Risikobereitschaft von Kunden (e.g. anderen Unternehmen) geringer ist ("You never get fired for buying IBM").
Auf der anderen Seite können kleinere Firmen viel schneller auf Kundenbedürfnisse reagieren, müssen nicht jede Regel und jedes Konzept en Detail beachten und werden von großen Konkurrenten oft nicht ernst genommen, bis es zu spät ist. Es gibt ein sehr passendes Zitat von Mahatma Ghandi: "First they ignore you, then they laugh at you, then they fight you, then you win"!


Zur Person: Stefan Kalteis ist Partner bei i5invest und Gründer von 123people, Tripwolf und Dealhamster sowie als Investor und Berater bei Online- und Mobile-Unternehmen aktiv. Seit Juni 2009 beschäftigt er sich intensiv bei Dealhamster mit der Frage nach neuen und effizienten Onlinewerbemöglichkeiten für KMUs. Vor i5invest war Stefan Kalteis bei Target Partners, einem führenden deutschen Venture Capital Unternehmen, wo er vor allem Internet- und Enterprise Software Start-Ups betreute. Zuvor war Stefan in der Software Industrie als Software Engineer und IT Architekt, unter anderem bei Hewlett Packard und Credit Suisse tätig. Stefan erwarb einen MBA an der ESADE Business School und hat einen Abschluss in Telekommunikationstechnik mit Schwerpunkt IT.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen