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Open Innovation, User Innovation & Co - Werkzeuge des modernen Innovationsmanagements

Modernes Innovationsmanagement beinhaltet mehr als einen Prozess zu entwerfen und zu hoffen, dass er sich von selbst mit Ideen füllt.
Woher kommen Ideen? Welche Werkzeuge stehen dem Innovationsmanagement zur Verfügung? Was sind die innerbetrieblichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen für innovationsfreundliches Klima? Wo liegen die Trends für die Zukunft?

Michael Putz - Geschäftsführer der LEAD Innovation GmbH im Interview mit patentanwalt .cc | intellectual property expertise.

Herr Putz, wie sehen Sie den Stellenwert von professionellem Innovationsmanagement in Österreich - insbesondere im Vergleich zu anderen Ländern wie beispielsweise USA oder Deutschland ?

In Österreich hinken wir leider etwas hinten nach.
Deutschland hat, gerade auch durch politisch getriebene Initiativen wie dem Jahr der Innovation, bereits 2004 das Thema Innovationsmanagement forciert. Und wenn Sie mich auf die USA ansprechen, darf ich auf den Ursprung der LEAD User Methode verweisen, welche vom MIT (Massachusetts Institute of Technology) stammt. Aber nicht nur in Industrie und Politik - wie am Beispiel Deutschlands - sind andere Länder Österreich weit voraus. Gerade in den USA fördert vor allem auch die Geschäftskultur professionelles Innovationsmanagement viel mehr, als das hierzulande der Fall ist.


Der Gedanke des Unternehmertums ( Entrepreneurship ), sich durch Trial & Error dem Erfolg nähern, bei Misserfolg nicht auch gesellschaftlich verachtet werden, sondern gelobt, dass man es versucht hat, all das sorgt in den USA für einen besseren Nährboden für Innovationen - folglich sind das bessere Voraussetzungen für professionelles Innovationsmanagement.
In Österreich hingegen werden in vielen Unternehmen zuerst Prozesse zur Abarbeitung von zukünftigen Ideen implementiert. Dann erst wird die Frage gestellt, woher die Ideen eigentlich kommen sollen. Es gibt also viel zu tun!

Die Herausforderungen gliedern sich demnach in zwei Bereiche. Auf der einen Seite das gesellschafts- und wirtschaftspolitische Umfeld und auf der anderen Seite die innerbetrieblichen Faktoren. Bleiben wir einmal bei den innerbetrieblichen Faktoren:
 

Fällt die Frage, woher die Ideen kommen sollen, in das Gebiet des klassischen Innovationsmanagements oder ist Innovationsmanagement nur das Mittel um eine Idee zum Markterfolg zu führen?

"Innovationsmanagement ist die Summe der strategischen, organisatorischen und kommunikativen Maßnahmen eines Unternehmens / einer Organisation, um durch Neuerungen Erfolg zu generieren."

Zu der Frage nach den innerbetrieblichen Faktoren, bzw. woher die Ideen für Innovationen kommen:

Unternehmen müssen stets nach außen, also in den Markt blicken, um die richtigen Ideen mit Innovationspotential zu generieren.

Woher diese Ideen kommen sollen, wird ausführlich durch die LEAD User Methode in Eric von Hippels Standardwerk ‘Sources of Innovation’ beantwortet. Die bis dahin allgemein gültige Sichtweise des ‘Manfacturer Paradigm’, welches besagt, dass Innovation die Aufgabe des Hersteller ist, und er allein wüsste, was der Kunde braucht, wird darin komplett auf den Kopf gestellt.
Eric von Hippel fand nämlich in seinen Studien heraus, dass es höchst riskant für Unternehmen ist, Produktneuerungen auf den Markt zu bringen, wenn diese allein der Strategie des ‘Supply Push’ folgen und den Kunden bei Entwicklungen außen vor lassen. Um ein Vielfaches erfolgversprechender ist es, wenn eine spezielle Gruppe von Anwendern die Schöpfer von Neuprodukten sind. Diese spezielle Anwendergruppe sind die LEAD User, daher der Name LEAD User Methode.

Zur Klärung, ob die LEAD User Methode nun dem 'klassischen Innovationsmanagement' oder dem 'modernen Innovationsmanagement' zugeordnet wird, erfordert eine Abgrenzung dieser beiden Bereiche.

Prof. Nikolaus Franke hat das 'klassische Innovationsmanagement' einmal in einem Vortrag bei der Wirtschaftskammer Oberösterreich in Linz im Jahr 2007 mit der Goldgräbermentalität verglichen:
viele Ideen durch ein Sieb schürfen, um hoffentlich irgendwann wiedermal ein Goldnugget dabei zu haben.
'Modernes Innovationsmanagement' hingegen kann mit dem Ackerbau verglichen werden: Zu Beginn wird ein Feld abgegrenzt, in welchem man dann nach der größten Karotte sucht.
Die LEAD User Methode wird also eindeutig dem ‘modernen Innovationsmanagement’ zugeschrieben - ein sehr spannendes Feld in dem sich LEAD Innovation seit nun über 7 Jahren tagtäglich mit den besten Leuten der Industrie austauscht und so Verbesserungen implementiert."

Wie genau funktioniert die LEAD User Methode?

Die LEAD User Methode ist ein vierphasiger Prozess, in dem stufenweise ein Suchfeld immer enger zur gewünschten Innovation eingegrenzt wird.
Am Höhepunkt finden aus drei Personengruppen die kreativsten zueinander und generieren unter Zuhilfenahme von Kreativitätstechniken 3-5 Konzepte,
die in Ihrer Ausgestaltung einem Lastenheft sehr nahe kommen.

Die drei einbezogenen Personengruppen sind:

1. Internes Innovationsteam des herstellenden Unternehmens; meist 5 Personen zusammengestellt nach dem Promotorenmodell von Prof. Witte.
2. LEAD User aus dem Zielmarkt: jene Anwender, die in Zukunft die Innovation verwenden werden, daraus einen großen Nutzen ziehen und heute schon Bedürfnisse haben, welche der Gesamtmarkt erst in Zukunft hat.
3. LEAD User aus analogen Bereichen: jene Wissensträger, die aus einem artverwandten Bereich hinzugezogen werden, und vor ähnlichen Problemen oder noch größeren Herausforderungen stehen, als der Hersteller.
Bsp.: Ein Flugzeugingenieur, der neue Bremssysteme entwickelt, hat die Herausforderung, eine noch größere Masse auf möglichst kurzem Weg von höheren Geschwindigkeiten abzubremsen als der Automobilbauer.
Deshalb kann der Flugzeugingenieur in diesem Bereich der Automobilindustrie als Analogie genutzt werden.

Ist „Open Innovation“ die reale Umsetzung von modernem Innovationsmanagement oder funktioniert modernes Innovationsmanagement auch ohne Einbeziehung externer Ressourcen?

Open Innovation ist aktuell ein sehr in Mode gekommener Begriff, der ein Werkzeug im Innovationsmanagement darstellt.
Modernes Innovationsmanagement ist flexibel und bedient sich prinzipiell der Werkzeuge, die das jeweilige Suchfeld erfordert.

Das heißt, dass es in bestimmten Fällen zwar nicht nötig ist, externe Ressourcen einzubinden, meistens ist es aber sehr hilfreich, seinen Blick zu weiten, über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken.

Der Entwicklungsleiter bei Philips sagte vor vielen Jahren zu mir:
"Ja Herr Putz, das Kochen im eigenen Saft ist genau unser Problem, wir wälzen immer dieselben Ideen, wir kommen nicht mehr auf Neues."
Genau in solchen Fällen ist es besonders spannend, ein Unternehmen nach außen zu öffnen, um zu neuen Sichtweisen zu kommen.

Einige Unternehmen und Organisationen haben aber schon lange vor der Definition des Begriffes Open Innovation externe Quellen genutzt.
Für andere ist es wiederum noch heute eine kulturelle Frage, sich auf einen Wechsel und ein Verlassen der üblichen Entwicklungsschritte einzulassen.
Dort ist es wichtig, dass erfahrene Innovationsmanager schrittweise einen Change durchführen, um ebenfalls vom Werkzeug Open Innovation profitieren zu können.

Kommen wir zum gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Umfeld für Innovationen

Angenommen Sie werden für einen Tag zum Minister für „Verkehr, Innovation und Technologie“ ernannt. Was wären Ihre ersten Amtshandlungen bzw. was würden Sie versuchen zu ändern?


Das ist ja mal eine interessante Frage. Nicht einfach zu beantworten, denn Politik ist ein sehr innovationsfeindliches Umfeld - die Strategien sind leider meist reaktionär, weil oft einzig das Ziel der Wiederwahl verfolgt wird.
Aber meine Amtshandlungen sind gefragt:

1. Qualitätsjournalismus fördern
2. Infrastruktur für Freidenker schaffen
3. Ideenwettbewerb für Demokratie 2.0
4. Gehälter für Exekutive, Judikative und Legislative erhöhen
5. Berufsbild der Lehrenden verbessern. Diese sollen Vordenker und Vorbilder sein.

Sehen Sie abgesehen von der Öffnung der Innovationsprozesse noch weitere Zukunftstrends im Innovationsmanagement, die man als „innovatives Unternehmen“ nicht außer Acht lassen sollte?

Die Effizienz und Effektivität wird immer wichtiger. Eine hohe Innovationsleistung erziele ich zum Beispiel nicht automatisch durch Integration vieler Personen am Ideenfindungsprozess. Ganz im Gegenteil, dadurch passiert oft ein 'Verstopfen' der Pipeline.
Ein Beispiel: Ein Konsumgüterhersteller forderte seine 54.000 Mitarbeiter dazu auf, jährlich 2-3 Produktideen einzubringen.
Dies stellte das Innovationsmanagement vor die Aufgabe, rund 100.000-150.000 Ideen jährlich zu recherchieren, zu bewerten und auch den Mitarbeitern Feedback zu liefern.

Meiner Einschätzung nach wird es in Zukunft verstärkt darum gehen, eine klare Innovationsstrategie zu entwickeln, bevor man beginnt, quantitativ Ideen zu generieren.

Im Zuge einer LEAD Roadmap werden Suchfelder aufgezeigt, die für das Unternehmen in den nächsten Jahren von Bedeutung sind.
Diese werden auf einer Zeitachse gereiht und nach Kriterien wie Innovationsgrad, Innovationsart, Markt und Technologie abgegrenzt bzw. 'sichtbar gemacht'.
Bevor man beginnt, sollte man sorgfältig planen.


zur Person:
Michael PUTZ ist Geschäftsführer der LEAD Innovation GmbH in Wien. Er hält regelmäßig Vorträge und Vorlesungen zur LEAD User Methode, Open Innovation, Innovationsmanagement und Kundenintegration in die Produktentwicklung. Im Anschluss an seine Tätigkeit als Studienassistent am Institut für Entrepreneurship & Innovation, gründete er LEAD Innovation als erstes Unternehmen zur LEAD User Methode im deutschsprachigen Raum. Zuvor war er mehrere Jahre bei Shell Royal Dutch, Porsche und BA-CA Private Equity beschäftigt. Aus dem Ursprung von LEAD Innovation wurde ein Gesamtlösungsanbieter im Innovationsmanagement. Sein Team begleitet Industrieunternehmen von der Strategieentwicklung bis zur Vermarktung am Weg zur Innovation, stets folgend dem Grundsatz: 

Innovation=Invention+Markterfolg
Einen Auszug aus der Referenzliste finden Sie unter: www.lead-innovation.com

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